PR Desaster – Tourismusregion Spreewald

In der Vergangenheit habe ich an dieser Stelle über gut gemachtes Regionalmarketing berichtet. Heute zeige ich am Beispiel Spreewald (bei Berlin), wie man es auf keinen Fall machen sollte.

Weniger Übernachtungen – in drei Schritten.

Zuerst schaut man tatenlos zu, wie BILD und Spiegel den Eindruck erwecken, der Spreewald wird von braunem Eisenschlamm geflutet. Tatsache ist, in der Lausitz wird durch den Anstieg des Grundwasserspiegels Eisenhydroxid aus dem Erdreich gespült. Das Eisenhydroxid, auch Eisenocker genannt, ist dadurch in Bächen und Flüssen, vor allem im Südosten Brandenburgs sichtbar geworden. Die Grubenwasserreinigungsanlage bei Vetschau sorgt aber inzwischen dafür, daß der Spreewald, anders als in einigen Medien suggeriert, von den „braunen Fluten“ verschont bleibt.

Was das dramatische Foto aus der BILD nicht zeigt, die abgebildete Wudritz war nach Aussagen der Anwohner immer schon mehr oder weniger braun. Das Foto taugt also nicht als Beweis für eine akute Gefährdung des Spreewalds. Das die Entscheidung vieler Frühbucher durch die BILD und Spiegel Berichterstattung im April 2013 beeinflußt wurde, ist anzunehmen.

Dann der nächste Schlag. Am 7. Juni 2013, knapp zwei Wochen vor dem Ferienbeginn in Berlin, verhängte die Potsdamer Landesregierung ein Kanu- und Paddelverbot für Teile des Spreewalds. Als Begründung diente das Hochwasser im Westen Brandenburgs.

Die Entscheidung für das Verbot wurde offensichtlich am grünen Tisch getroffen, kein Verantwortlicher war dafür vor Ort. Tatsächlich war der Pegelanstieg in den vom Verbot betroffenen Gebieten minimal. Die Folge des überflüssigen Verbots war eine Welle an Stornierungen. Ob diese Urlauber sich im nächsten Jahr für den Spreewald entscheiden bleibt fraglich.

Um der ehemals beliebten Ferienregion den Rest zu geben, berichteten vor allem regionale Zeitungen, in zum Teil dramatischer Aufmachung, über gefährliche Parasiten in Spreewaldmücken. Man konnte zwischenzeitlich den Eindruck gewinnen, der Spreewald gehört zu den gefährlichen Weltregionen.

Fazit: Hat der Spreewald Pech, kommen auch noch eine überforderte Verwaltung und allzu passive Tourismusmanager dazu. Die nach den ersten Einschlägen dringend erforderliche Krisen-PR wurde von mir nicht wahrgenommen. Stattdessen: Fatalismus.